Kleine Schritte führen zu großem Erfolg

Alphabetisierung benötigt Anerkennung

Olpe: Für junge Menschen, die besonderer zusätzlicher Hilfen bedürfen, um eine Ausbildung absolvieren zu können, bietet das CJD Olpe seit mehr als 30 Jahren optimale Bedingungen. „Alle Angebote, die zur erfolgreichen Rehabilitation benötigt werden, befinden sich bei uns im Christlichen Jugenddorf unter einem Dach, so Dieter Sander, Gesamtleiter des CJD Olpe in seiner Eröffnungsansprache anlässlich der Auftaktveranstaltung zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung.

„Erforderliche Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) wie Förderkurse in den Bereichen Legasthenie und Dyskalkulie, die Betreuung durch Psychologen, Sozialpädagogen und andere Fachkräfte der Rehabilitation stehen im CJD Olpe zur Verfügung“, ergänzte Birgit Reising, Leiterin des Kompetenz- und Lernzentrums im CJD.

Neben den Gastrednern Dr. Peter Piasecki, der eine CJD Schule in Dortmund leitet, warb auch Geschäftsführer und Gründungsmitglied Peter Hubertus vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung für eine Annäherung am Thema „Individuelles Fördern“. Peter Hubertus ist die Zusammenarbeit, neben den bundesweit 299 Volkshochschulen, mit dem CJD Olpe sehr wichtig. Er selber hat in früheren Jahren sein Referendariat am Standort Oberurff des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands absolviert.

„Neben der Erwachsenenbildung für Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit muss man den Blick aber auch auf „Individuelle Förderung“ von Migrantinnen und Migranten gerade in der freien Wirtschaft richten“, so Hubertus.

Der Bundesverband für Alphabetisierung prognostiziert einen erheblichen Anstieg Betroffener in Deutschland. Deutschland muss die Ernsthaftigkeit dieses Themas früher erkennen und sich dann den Herausforderungen stellen. „Das CJD Olpe hatte schon in früheren Jahren genau diesen Weitblick und fördert und fordert junge Menschen sehr angemessen“, lobte Hubertus.

Tim-Thilo Fellmer, Botschafter des Bundesverbandes, rundete die Thematik mit seiner sehr anschaulichen eigenen Zeitreise ab. Er selbst ist Betroffener. An seine Schulzeit hatte er keine guten Erinnerungen. In einem Klassenverband von fast 35 Schülern kam Fellmer nie zurecht. Individuelle Förderung ist in seiner Schulzeit nie ein Thema gewesen. Seine Klassenlehrer erkannten seine Lese- und Rechtschreibschwäche nicht. Und so konnte Fellmer nie gute Ergebnisse erreichen. „Das nagte sehr an meinem Selbstwert“, so Fellmer.

Doch die schlimmste Zeit begann nach der weiterführenden Schule. Einen Ausbildungsplatz zu finden, das war für Fellmer erst einmal absolut unmöglich. Nur über eine persönliche Beziehung gelang es ihm letztendlich doch einen Ausbildungsplatz zu finden.

Er bewarb sich zusätzlich neben seiner Ausbildung an einem VHS Kurs zum Thema Alphabetisierung. Dort bekam er mit einem speziellen Computerprogramm entsprechende Unterstützung. Thilo Fellmer hatte es geschafft sich zu alphabetisieren und hat im Anschluss ein 100seitiges Kinderbuch mit dem Titel „Fuffi der Wusel“ geschrieben.

In seinen bundesweiten Lesungen wirbt Fellmer für eine sensiblere Herangehensweise um Thema Alphabetisierung und Grundbildung. „Betroffene junge Menschen benötigen schon in der Schule eine angemessene „ Individuelle Förderung. Kleinere Schritte führen zum Erfolg. Dafür muss sich Deutschlands Bildungspolitik einsetzen“, so Fellmer abschließend.

Im Anschluss an die Veranstaltung tagte der neu gegründete Arbeitskreis für „Individuelle Förderung im Grundlagenbereich“ im Kompetenz- und Lernzentrum des CJD Olpe, der sich aus Teilnehmern der verschiedensten Einrichtungen der CJD-Landesgruppe West zusammensetzte.

Zielsetzung eines solchen Arbeitskreises ist es, für Betroffene Menschen innerhalb und/oder außerhalb der Einrichtungen des CJD in NRW, Hilfestellungen zu entwickeln, die Probleme beim Schreiben, Lesen und Rechnen im Grundlagenbereich haben.

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